Montag , 25 September 2017
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Ist ein Atomausstieg möglich?

Schon lange wollen viele Menschen einen Atomausstieg. Der oft fälschlicherweise als „saubere Energiequelle“ bezeichnete Atomstrom (da kein klimaschädliches CO2 erzeugt wird) hinterlässt für Jahrhunderte strahlenden Abfall. Wohin mit dem Atommüll? Bisher ungeklärt. Verständlicherweise will kein Bundesland diesen Müll haben.

Nach den schrecklichen Ereignissen in Japan ist vielen erst bewusst geworden, dass das immer da gewesene Restrisiko eines gefährlichen Zwischenfalls in einem Atomreaktor nicht so verschwindend gering ist, dass es in den Hochtechnologie-Ländern wie Japan nicht zu so einem Zwischenfall kommen kann. Die Politik reagiert bereits (ob aus Wahltaktik oder nicht sei mal dahin-gestellt), erste Kraftwerke sind vom Netz gegangen. Welche Atommeiler wieder ans Netz gehen werden ist noch unbekannt und soll sich in den nächsten 3 Monaten klären.

Die große Frage ist jetzt: Ist ein Atomausstieg überhaupt möglich? Und wenn ja, bis wann?
Die Frage können definitiv wohl nur Experten beantworten. Mit den bisherigen Anstrengungen beim Ökostrom hat man zumindest schon mal eine gute Grundlage geschaffen. Nach Meinung einiger Experten könnte man ab 2020 bis 2025 völlig auf Atomstrom verzichten. Dazu ist allerdings ein massiver Ausbau nötig, der auch viele Milliarden Kosten wird.

Einige zusammengetragene Hinweise zum Thema (jeder möge sich dann selbst ein Bild von der Lage und den Möglichkeiten machen):

  • Deutschland hat 17 Meiler, die die zusammen 20,3 Gigawatt Strom produzieren.
  • Deutschland ist Strom-Export-Land. Wir produzieren mehr Strom, als wir verbrauchen. Ohne spürbaren Effekt konnten bereits jetzt 7(!) Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Es gab weder einen Blackout noch irgendwelche Stromlücken.
  • Kapazitäten deutscher Kraftwerke:
    • Atromkraft: 20,3 Gigawatt
    • Kohlekraft, Gaskraft, Dieselkraft: 71,3 Gigawatt
    • Wasserkraft: 10,4 Gigawatt
    • Erneuerbare Energien: 37,5 Gigawatt
    • Insgesamt damit 139,5 Gigawatt (Quelle SPON)
  • Bisheriger Spitzenlast-Wert, der an einem Tag zur Hauptzeit abgerufen wurde: 82,2 Gigawatt. Damit haben wir also eine Menge freiliegendes Potential?
  • Atomstrom wird sehr günstig produziert. Der Bau der Kraftwerke wurde allerdings massiv vom Staat subventioniert. Für die Endlagerung des strahlenden Atommüll darf der Steuerzahler aufkommen, in den Preis pro kWh tauchen diese Kosten allerdings nie auf.
  • In Zukunft ist statt einem steigenden Strombedarf ein sinkender Bedarf zu erwarten. Das liegt an Effizienzsteigerungen in der Industrie sowie im privaten Bereich. Im privaten Bereich z.B. Energiesparlampen.
  • Wenn es einen Atomausstieg geben soll, müssen regenerative Energien weiter gefördert werden. Das wird viel Geld kosten. Ein weiterer Punkt ist, dass auch neue Stromleitungen gebaut werden müssen, um die erzeugten Strommengen zu den Verbrauchern zu schaffen. Gegen neue Strommasten gibt es aber meist massive Bürgerproteste.
  • SPON: Atomwende in Deutschland – Turbo-Ausstieg würde 230 Milliarden Euro kosten
  • SPON: Deutschland bleibt Strom-Exporteur – trotz Abschaltung

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2 comments

  1. „SPON: Atomwende in Deutschland – Turbo-Ausstieg würde 230 Milliarden Euro kosten“

    Nach den ganzen Bankenrettungen und Euroschutzschirm finde ich solche Beträge ja fast schon niedrig…

    Ich finde, es sollte Schritt für Schritt auf Atomkraft verzichtet werden. Man kann wohl nicht einfach so auf alle Atomkraftwerke verzichten. Es sollte einen 10, 15 oder 20 Jahresplan geben. Je nachdem, was machbar ist aber so schnell wie möglich abschalten.

  2. Winfried Stützle

    Bin für eine sachliche Diskussion. Warum bauen unsere Nachbarn neue AKW`s? Es ist töricht zu glauben, unsere Nachbarn seien dumm. Der weltweite Energiebedarf wird steigen. Und da braucht man jede veerfügbare Energeiressource. Bin aber auf jeden Fall für eine gfründliche Sicherheitsüberprüfung.

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